Djibuti.

Gebügelt in Djibuti an einem Tisch sitzen bedeutet einen Aufwand. Ich saß in der ausweglosen Hitze von Djibuti zusammen mit einem Fremdenlegionär an einem Tisch. Seine sandfarbene Uniform war frisch gebügelt, sein Haar sorgsam gekämmt. Er war ein Deutscher wie viele der Besatzung von Djibuti. An der Bar sein Freund beschäftigte sich mit einem Getränk, ein aufrechter, starker Bayer, mit dem Gesicht eines Mannes, auf den man sich verlassen kann. Auch der Bayer war feingemacht, als ob das ein leichtes sei. Vom Lager der Fremdenlegionäre an der Grenze zu Äthiopien bis Djibuti fuhren die offenen Geländefahrzeuge einen ganzen Tag lang durch die mit Tonnen markierte Wüste.

Zu dieser Zeit war Djibuti noch französische Kolonie, wenn es heute auch nur formell seine Unabhängigkeit verteidigt, ein Überbleibsel der Rivalitäten zwischen England und Frankreich am Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Es war gerade ein Flugzeugträger der französischen Kriegsmarine eingelaufen; der Hafen vermochte auch große Schiffe aufzunehmen, hafte sich jedoch nicht entwickelt; das arme Äthiopien war nicht Hinterland genug, um einen nennenswerten Handel herzugeben. Mit Addis Abeba verbindet den Hafen eine gewundene, tunnelreiche Eisenbahnlinie, die einzige von der Küste auf das Hochland. Djibuti sei der heißeste Punkt der Erde, versicherte mir der Legionär. Schnaps, Whiskey, Bier, Cola konnten keinen Durst löschen, das warme, übelriechende Wasser am wenigsten. Die Einwohner der Kolonie lebten von den Warnungen vor Haien am trostlosen Meeresufer, vom Umschlag der Güter aus dem Hafen auf den Zug und von Liebesdiensten. Jeden Abend rückten Legionäre auf Urlaub in die Stadt ein, ließen sich von hungernden Frauen in Gestalt von Huren umtreiben und soffen. Heute überschwemmten überdies dreitausend weißgekleidete Matrosen auf Landgang das armselige Städtchen, mehr Matrosen als Einwohner, und machten die wenigen grellen Frauen ihren Stammfreiern streitig. Der Bayer schlug einem Matrosen die Zähne ein, als der seine Freundin, eine zerstörte, schmächtige Alte, die erbärmlichste der bemalten Frauen in der Stadt, zum Tanzen aufforderte, und schlug ihn zur Tür des bunt beklebten Bretterverschlags hinaus, der mit einigen Kompartements und roten Lampen als Salon diente. Ich fragte den jungen Mann mit den gescheitelten Haaren mir am Tisch gegenüber, wie er zur Fremdenlegion gekommen sei.

-Wir haben einfach nicht aufgepaßt, erzählte er bereitwillig, -und dann wurde meine Freundin schwanger, mit Zwillingen. Wir hatten sogar schon über die Hochzeit gesprochen, ich war aber erst achtzehn. Ich wußte nicht aus noch ein, also bin ich in die Legion. Da findet dich niemand. Die Fremdenlegion hält den Aufenthaltsort ihrer Soldaten geheim. Jeder kann da untertauchen. Meine Freundin weiß auch jetzt nicht, wo ich mich aufhalte. Ich schicke ihr jeden Monat die Hälfte von meinem Sold, ich kann mit keine Nutten leisten. Meine Kinder sind schon groß, gehen bald in die Schule, und ich habe sie noch nie gesehen.
-Warst du auch in Algerien?
-Ja.
-Erzähl!
-Wir haben die Drecksarbeit getan, die die Franzosen nicht tun wollten. Die wehrpflichtigen Bürschchen haben doch Angst vor sich selbst.
-Was für eine Drecksarbeit?
-Wir haben zum Beispiel die Häuser durchsucht, in denen sich die FLN versteckt hatte. Wenn wir in so ein Haus traten, rannten zehn Kinder um eine aufgescheuchte Muffer. Der Wolf und die sieben Geislein. Wo ist der und der? Wir wissen, daß er hier ist. Die Frau fängt an zu winseln in ihrem schlechten Französisch, das sind alles Schwarze, die Araber, fast so wie hier: ich weiß nicht, wo er ist, ich habe ihn schon wochenlang nicht gesehn, und so weiter. Sie hat einen Säugling im Arm. Glauben Sie mir doch, jammert die Alte, ich weiß bestimmt nicht, wo er ist. Wenn ich ihr dann ganz freundlich den Säugling aus dem Arm genommen habe, damit sie keinen Aufstand macht, an den Füßen gepackt und den Kopf an der Wand zerschmettert, daß die Soße runtergelaufen ist, was meinst du, wie schnell die geredet hat! Solche Sachen eben,

sagte am Tisch in Djibuti der adrette junge Mann zu mir, während der Propeller die heiße Luft rührte, und lebt unbescholten.

index